DIN 4109 - Neue Regelungen zum Schutz gegen Außenlärm

Das Fortschreiten der Verdichtung von Siedlungsgebieten und das Heranrücken der Wohnbebauung an Verkehrswege konfrontiert die Planer immer stärker auch mit der Frage nach gesunden Wohn- und Arbeitsverhältnissen. Der Schutz von Wohn- und Aufenthaltsräumen gegen Außenlärm stellt in lärmbelasteten Gebieten eine immer größer werdende Herausforderung dar.

Im Januar 2018 wurde eine Neufassung der deutschen Norm DIN 4109 "Schallschutz im Hochbau" mit Mindestanforderungen an den Schallschutz (Teil 1) und mit Rechenverfahren zum Nachweis der Erfüllung der Anforderungen (Teil 2) veröffentlicht. Mit der Neufassung der DIN 4109 wurden unter anderem die Regelungen zum Schutz von Wohn- und Arbeitsräumen gegen Außenlärm geändert.

Wie bereits in der Fassung aus dem Jahr 2016 wurde ein besonderes Augenmerk auf einen verbesserten Schallschutz von Räumen, die überwiegend zum Schlafen genutzt werden können, gelegt. Nach der derzeit bauaufsichtlich eingeführten DIN 4109 aus dem Jahr 1989 wird der Schallschutz gegen von außen eindringenden Lärm ausschließlich anhand der Lärmbelastung am Tag bemessen. Hierbei wird unterstellt, dass die Lärmbelastung nachts deutlich niedriger ist und die Anforderungen dann auch für Schlafräume sichergestellt sind. Diese Annahme kann heute in vielen Fällen nicht mehr getroffen werden. So liegen beispielsweise an Schienenwegen mit einem hohen Güterverkehrsanteil tags und nachts häufig gleichhohe Lärmbelastungen vor.

Um diesen Aspekt gerecht zu werden, wird bei der Bemessung des Schallschutzes gegen Außenlärm für Räume, die überwiegend zum Schlafen genutzt werden können, nunmehr sowohl die Tag- als auch die Nachtsituation betrachtet. Hierbei wird zur Berücksichtigung des erhöhten Schutzbedürfnisses in der Nacht ein Zuschlag von 10 dB auf die Beurteilungspegel nachts für die unterschiedlichen Lärmquellen (Straßen-, Schienen-, Luft-, Wasserverkehr, Industrie/Gewerbe) vergeben. Die Bemessung des Schallschutzes erfolgt dann anhand der Lärmbelastung derjenigen Tageszeit, für die sich die höhere Anforderung ergibt. Sinkt die Lärmbelastung nachts um weniger als 10 dB gegenüber den Tagwerten ab, so ist für Schlafräume die Nachtzeit maßgeblich.

Neben den Regelungen zum besseren Schallschutz für Schlafräume wurde auch das Rechenverfahren zur Ermittlung der erforderlichen Schalldämmung von Außenbauteilen geändert. Die Anforderungen an die Schalldämmung werden nunmehr nicht nur anhand sogenannter Lärmpegelbereiche, die Außenlärmpegel in 5 dB-Klassen einteilt, bestimmt. Damit verbunden war bisher, dass das erforderliche Bau-Schalldämm-Maß der Fassaden in 5 dB-Sprüngen festzulegen war. Mit der Neuauflage der DIN 4109 ist vorgesehen, die Lärmbelastung vor den schutzbedürftigen Räumen und damit auch das gesamte bewertete Bau-Schalldämm-Maß für die einzelnen Fassaden bzw. Fassadenteile dB-genau zu ermitteln.

Die Neufassung der DIN 4109 stellt zusammenfassend eine geeignete Regelung zum Schutz für den Nachtzeitraum und ein genaueres Verfahren zur Ermittlung der schalltechnischen Anforderungen gegenüber dem Außenlärm zur Verfügung. Auch wenn die bauaufsichtliche Einführung der DIN 4109:2018-01 noch aussteht, ist sie - insbesondere im Sinne des vorbeugenden Immissionsschutzes - als aktueller Stand des Sachverständigenwissens anzusehen.

Sollten Sie Fragen haben, wenden Sie sich gerne an:

Dipl.-Phys. Ing. Thomas Wihard
wihardzechgmbhde

180115_din4109_neue_regelungen.jpg